Als aktiver StudiVZ Nutzer, der auch ein wenig die Internetszene, besonders was Social Networks betrifft, verfolgt, habe ich mir ein paar Gedanken zu StudiVZ gemacht.
Im März habe ich noch über „I’m gettin bored of Facebook“ geschrieben. Damals habe ich kritisiert, dass der News-Feed im Facebook nur noch Werbung für Applikationen ist und somit als Spam wahrgenommen wird. Folge, keiner schaut sich den Newsfeed mehr an und relevante Infos wie z.B. was die Freunde machen sind untergegangen. Folge: Facebook war weniger ein Social Network. Der soziale Aspekt ging weiter in den Hintergrund.
Nun, seit ca. zwei Wochen bekomme ich seit langem wieder ständig neue Freundesanfragen. Was ist passiert? Liegt es daran, dass Facebook jetzt Deutsch spricht? Nein! Die Anfragen kamen zum Großteil aus dem Ausland. Der Grund ist, dass Facebook jetzt den sozialen Aspekt wieder in den Mittelpunkt gestellt hat:
1) Newsfeed wurde „entspamt“: Ich sehe jetzt nur noch was meine Freunde machen (Fotos, neue Freunde etc.) und auch der Applikation Spam taucht gar nicht mehr auf.
2) Facebook hat ein neues Feature: „Leute, die du vielleicht kennst“. Das sind Freunde von meinen Freunden, die viele gemeinsame Freunde mit mir haben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich diese Person auch kenne, wenn auch nur oberflächlich. Auch ich habe dadurch schon 10-20 neue Freunde gefunden.
3) Facebook Chat ist natürlich auch ein nettes Feature, was den sozialen und kommunikativen Bedürfnissen von Social Network Nutzern entgegen kommt.
Was leite ich daraus für StudiVZ ab, die ja schon etwas hinterhinken?
- Gestern wurde ja bekanntgegeben, dass man OpenSocial beitritt. Ein Schritt in die richtige Richtung. StudiVZ braucht Applikationen. Sonst sinkt die Klickrate im StudiVZ weiter.
- CEO Marcus Riecke hat in einem FAZ Interview gesagt, dass man die Applikationen sorgfältig auswählt, die auf StudiVZ zugelassen werden. Ebenfalls gut, damit es nicht 50 000 Applikationen gibt, von den sich am Ende nur ganz, ganz wenige durchsetzen. Diese Aufgabe des Filterns sollte man ausnahmsweise nicht den Usern überlassen, sondern sollte das Management übernehmen.
- Zusammen mit dem Zulassen von Applikationen braucht StudiVZ aus zwei Gründen UNBEDINGT einen Newsfeed:
- Zum einen leveraged man damit die Aktivität der User. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, was meine Freunde machen, wenn ich mir ihre Profile anschaue. Ich weiß nur wer es upgedated hat und wer neue Fotos hochgeladen hat. Aber sonst bekommt man nichts mit. Ein Newsfeed zu implementieren dürfte sich auch vom IT-Aufwand in Grenzen halten.
- Die Applikationsentwickler brauchen den Newsfeed, damit sich die Applikationen so schnell verbreiten, dass sie die kritische Masse erreichen. Da das Management ja wohl die Applikationen selektiert, ist die Gefahr des Spams auch gering.
- StudiVZ braucht auch eine Chat Funktion. Wie oft lese ich, dass der und der Freund online ist. Gerade Freunde, die man nicht im IM hat kann man so ansprechen. Auch das dürfte die Aktivität der User massiv steigern.
- Die „Kennst Du schon…?“ Sache, mit den drei Personen ganz rechts auf der persönlichen Startseite, ist ein Witz. Ich habe noch nicht ein einziges Mal auf eine von diesen fremden Personen geklickt. Ich habe viele Freunde gefragt, die das genauso sehen. Statt dessen würde ich „Leute die dur vielleicht kennst“ (wie oben beschrieben) plazieren. Da sieht man dann wenigstens ab und an eine Person, die man wirklich kennt und noch nicht als Freund auf StudiVZ hat.
- Bis jetzt ist StudiVZ „nur“ ein Social Network, bei dem man fast nur oder zum Großteil Freunde hat, die man offline kennt. Ein Feature oder eine Applikation die das Kennenlernen von neuen Studenten ermöglich, wäre ein zusätzlicher Nutzen, die sonst nur Dating Portale bieten. Warum nicht eine Art Dating oder Flirt Applikation einbinden? Facebook hat da viele Applikationen, von denen aber noch keins von allen Nutzern genutzt wird.
- Ein “Google AdWords”
Google hatte damals auch ein geniales Produkt: Suche. StudiVZ und Facebook haben auch ein geniales Produkt. Aber beide bzw. kein Social Network hat bis jetzt sein Goolge Adwords. Also der Knaller der ein Social Network so viel Umsatz bringt, dass man sagen könnte Facebook ist das neue Google.
Man darf gespannt sein, was die nächste Zeit bei StudiVZ passiert. Die Gefahr des Überlaufens der Nutzer zu Facebook sehe ich jedoch nicht. Es sei denn die Server bei StudiVZ fallen aus.