Auch wenn ich mich schon lang nicht mehr zu Wort gemeldet habe und auch wenn ich sonst in meinem Blog nicht über Fußball rede, möchte ich meine Gedanken über Jürgen Klinsmann hier äußern, da mir das sehr auf der Zunge liegt und es einfach jetzt raus muss.
“Selbstkritsches” Interview in der FAZ
Anlass dafür ist ein Interview von Jürgen Klinsmann in der FAZ. In diesem Interview spricht er ähnlich über den FC Bayern, wie er es direkt nach seiner Kündigung bei Günther Jauch im SternTV und auch vor einigen Tagen beim RTL Jahresrückblich mit Günther Jauch getan hat.Was mich bei seinen Äußerungen mächtig stört ist, dass er ständig (in jeder TV Sendung und in jedem Interview) die Fehler für sein Scheitern beim FC Bayern bei anderen sucht. Ich habe noch nicht ein einziges Wort von ihm gelesen, wo er selbstkritisch war. Im Folgenden drei Aussagen von ihm, die er als Gründe für sein Scheitern anführt:
Schutz von Besitzständen
1. „Es gibt zwei Kategorien von Menschen. Die einen sind bestrebt, ständig zu wachsen. Die anderen treibt das Gefühl, ihren Status und die Dinge zu verteidigen, die sie aufgebaut haben. [...] Ich bin beim FC Bayern in dieser Beziehung an meine Grenzen gestoßen. Ich hatte zu viel damit zu tun, an Besitzständen zu rütteln und sie einzureißen, anstatt ruhig an der Weiterentwicklung der Mannschaft zu arbeiten.“
Zu wenig Macht
„Es war eine der Lektionen, dass ich nicht das Gewicht und die Unabhängigkeit wie beim DFB hatte“
Uli Hoeneß’ Schuld
„Wenn aber ein Manager auf der Bank sitzt und starken Einfluss auf die Mannschaft hat, Gespräche mit den Spielern führt, mit ins Trainingslager fährt und an allen Dingen nah dran ist [und diese] Konstellation [dann] zum Misserfolg [führt], bei dem es heißt, es müssen Konsequenzen gezogen werden, dann müssten sich eigentlich beide verabschieden.“
Auch in anderen Interviews und Berichten schiebt er die Schuld immer indirekt dem Vortand in die Schuhe. Der Vorstand, der ihn nicht voll unterstützt hat (Hoeneß Konter: Noch kein Trainer hatte so viel Unterstützung beim FC Bayern wie Jürgen), der Vorstand der immer seinen Status verteidigen will und sich nicht ändern will. Bullshit!!! Uli Hoeneß ist in meinen Augen extrem selbstkritisch. Er hat ja auch auf der Jahreshauptversammlung offen eingestanden, dass man mit einigen Transfers in den vergangenen Jahren nicht so gut gelegen hat.
Selbstkritik + fußballerischer Sachverstand = Klinsmann?
So und jetzt öffnen wir mal dem Jürgen die Augen. Die Logik im folgenden ist ganz einfach und kann jeder Schüler verstehen:
Saison 2007/08: Trainer Ottmar Hitzfeld. Platz 1 mit 10 Punkten Vorsprung vor Werder Bremen mit 21 Gegentoren. Ligarekord was die Gegentore betrifft.
Identische Mannschaft, kein Erfolg
Saison 2008/09: Trainer Jügen Klinsmann. Mannschaft KOMPLETT IDENTISCH bis auf eine Position: Oliver Kahn hat zusammen mit Hitzfeld aufgehört. Als Ersatz standen Rensing und Butt zur Verfügung. Butt, der unter einem Trainer wie Van Gaal nun zeigt, dass er ein verlässlicher Towart ist. Dennoch hat Klinsmann am 29. Spieltag nach einer 0:1 Niederlage gegen Schalke auf Platz 3 in der Liga gestanden, hatte bereits 37 Gegentore (1,3 Gegentore pro Spiel) und 7 Niederlagen auf dem Konto. Es folgt Jupp Heynckes der MIT DER GLEICHEN Mannschaft wie Jürgen Klinsmann aus 5 Spielen 4 Siege und ein Unentschieden holt. Mit ihm lässt die Mannschaft gerade mal ein Gegentor pro Spiel zu. Jetzt soll mir noch einer sagen, dass das nicht am Trainer lag. Der Manager war wie die 30 Jahre zuvor der Gleiche auf der Bank. Klinsmann sagt aber nun in der FAZ sagt, dass Hoeneß mit ihm hätte gehen müssen.
Fehler in der Mannschaftsführung
Wie auch der Vorstand schon gesagt hat: Jürgen Klinsmann ist nicht beim FC Bayern gescheitert, weil er seine Ideen nicht umsetzen konnte oder keine Unterstützung vom Vorstand hatte. Er ist an sich selbst gescheitert. Er wollte alles mit einmal ändern, ohne Rücksicht auf Verluste. Aber viel schwerwiegender war sein Umgang mit den Spielern wie im Fall van Buyten. Laut mehrere Medien hat Jürgen Van Buyten vor einem Spiel gesagt „Du spielst nächstes Spiel“ und dann am Abend vor dem betreffenden Spiel hat er van Buyten mitgeteilt, dass er doch nicht spielt.
Podolski, Lahm und Taktik
Warum blüht ein Podolski unter Jupp Heynckes auf und warum hat er kein Selbstvertrauen unter Klinsmann? Warum stellen sich Spieler wie Philipp Lahm 2 Wochen nach der Verpflichtung von Heynckes hin und sagen, dass die Arbeit nun viel mehr Spaß mache, da man taktisch sehr viel im Training lernt. Klinsmann ist nicht nur an sich selbst gescheitert, sondern auch an seinen taktischen Fähigkeiten. Die Mannschaft hat ihn nicht mehr ernst genommen und er war völlig unglaubwürdig.
Donovan nicht mal für die Amateure
Am Rande sei noch erwähnt, dass Jürgen Klinsmann den Amerikaner Donovan verpflichten wollte, bei dem der Hermann Gerland sagt, dass er nicht mal in seiner Amateurmannschaft spielen würde. Ich würde Klinsmann unterstellen, dass er einfach keine Ahnung vom Fußball hat, auch wenn er selbst ein guter Stürmer früher war. Das heißt aber noch lange nicht, dass man eine Mannschaft aufbauen und führen kann. Bei der WM 2006 war anscheinend Jogi Löw derjenige, der die Mannschaft aufgebaut, taktisch eingestellt und geschult hat.
Jürgen Klinsmann hat meinen ganzen Respekt verloren. Er sollte anfangen die Fehler bei sich selbst zu suchen. Bevor er das nicht tut, werde ich keinen Respekt mehr für ihn haben. Mir tut jetzt schon jeder Verein oder jeder Verband leid, der einmal mit Jürgen Klinsmann zusammenarbeiten muss.

